Apicultural Review Letters
(Kritische Apikulturbriefe)

32. Brief
3. April 2006


 

Vitalität der Bienenvölker, wesensgemäße Bienenhaltung

hängt von der Art und Weise ab, wie die Bienenvölker im einzelnen gehalten werden. Eine sinnvolle Anleitung dafür sind nicht die üblichen Kurse im Imkerverein sondern in Deutschland nur die Ausbildung im Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung. Verbrauchertäuschende Honigverfälschungen mit Sirup. Die gesamte Honigernte eines Imkers aus Bayern ist für den Verkauf gesperrt worden, da erhöhte Rückstände von DEET nachgewiesen wurden. Der Imker hatte bei der Ernte seines Honigs Fabi-Spray aus dem Imkerbedarfshandel eingesetzt. DEET ist ein Abwehrmittel (Repellent) gegen Stechmücken und ist in der Biozide Produkte- Richtlinie 98/8/EG als Schädlingsbekämpfungsmittel eingestuft. Biologische Bienenhaltung ist nicht ausreichend. Nur eine vollständige Zertifizierung in der artgerechten / wesensgemäßen Bienenhaltung kann Sicherheit für den Verbraucher bringen

In den letzen Apikulturbriefen (Nr. 12-31) hatten wir uns mit den Besonderheiten der artgerechten oder wesensgemäßen Bienenhaltung auseinandergesetzt. Auch auf die Bedeutung der Bienen aus spiritueller / anthroposophischer Sicht wurde ausführlich eingegangen, nicht zuletzt auf den Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang in den europäischen und Noramerikanischen Ländern und dem Rückgang der Bienenvölker in diesen Ländern.

Die Voraussetzung für eine Zunahme von Bienenvölkern in einer Region hängt natürlich in erster Linie von der Vitalität der Völker ab. Dazu können sogar Bienenwissenschaftler recht nützliche Hinweise geben. Dr. Gerhard Liebig schreibt zum Beispiel: „Vitale Völker kommen jederzeit mit den Unbilden des Wetters zurecht. Sie sind brut- und putzfreudig. Sie bleiben gesund, weil sie die potentiellen Krankheitserreger immer im Griff haben und Räuber und Feinde erfolgreich abwehren. Außerdem zeigen sie eine hohe Findigkeit beim Aufspüren von Trachtquellen und überzeugen durch Sammeleifer bei ihrer Ausbeutung." Ganz richtig bemerkt er, zur allgemeinen Vitalität zählen auch Stechlust und Schwarmlust. (Dbj 3/2006, p.18)

Die Vitalität der Bienenvölker wiederum hängt von der Art und Weise ab, wie die Bienenvölker im einzelnen gehalten werden. Eine sinnvolle Anleitung dafür geben die Bienenwissenschaftler allerdings nicht; weder in Büchern und Bienenzeitungen noch im Internet.

Darüber hinaus müssen die Bienenerzeugnisse, insbesondere Honig und Bienenwachs bestimmte Kriterien erfüllen. Diese Kriterien können aber nur erfüllt werden, wenn durch einen hohen Erzeugerpreis eine artgerechte Bienenhaltung gefördert wird.

Nach Stefan Bogdanov und dem Schweizerischen Zentrum für Bienenforschung belasten Landwirtschaft und Umwelt das Bienenwachs relativ wenig. Die Imkerei selbst ist die Kontaminationsquelle. Die größte Bedeutung fällt dabei den Varroabekämpfungsmitteln zu und dem Wachsmottenmittel Paradichlorbenzol (PDCB). Eine erhöhte Coumaphos-Konzentration im Wachs kann auf Königinnen sogar toxisch wirken. Ungünstige Auswirkungen auf Brut und Bienengesundheit sind auch bei niedrigeren Wachskonzentrationen nicht auszuschließen. Die Anhäufung von Varroaziden im Wabenwachs führt zu einer Art von „Dauerbehandlung" der Varroa, die Resistenzen verursachen kann. (Dbj, 4/2006,p153-155)

Für Bienenwachs, das in der Pharmazie verwendet wird, wird Rückstandsfreiheit gefordert. Eine sichere Umstellung zu rückstandsfreiem Wachs ist nur möglich, wenn das eigene Wachs konsequent durch rückstandsfreies Wachs ersetzt wird. „Zurzeit gibt es auf dem europäischen Markt kein unbelastetes Wachs. Solches muß aus Afrika importiert werden" (Dbj, 4/2006,p153-155) - Nur im Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung und den entsprechen zertifizierten Imkereien ist noch unbelastetes Bienenwachs zu bekommen, da hier völlig ohne Mittelwände gearbeitet wird und das Bienenwachs aus Naturbauwaben gewonnen wird.

Die Firma Sonnentracht Imkerei GmbH bietet Biohonige und Wabenhonig aus den bekannten Honigexportländern an, in denen der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zum Teil außer Kontrolle geraten ist; dies sind insbesondere Rumänien, Bulgarien, Süd- und Mittelamerika wie Argentinien, Brasilien, Mexiko. Da zur Zeit in diesen Ländern keine bedeutenden Zertifizierer für artgerechte Bienenhaltung tätig sind, ist nicht ersichtlich, wie die Sonnentracht-Imkerei einwandfreien Honig und Wabenhonig aus diesen Ländern anbieten will. Sicher, daß die Preise niedrig sind, glaubt ihnen jeder, aber wenn sie sagen „Wabenhonig Spezialitäten - Auf die natürlichste Art Honig genießen" oder wenn sie von „bester Qualität" sprechen (Dbj, 4/2006, p 186), ist man doch etwas erstaunt. Allgemeine Zertifizierungen nach dem international Food Standard und einem Retail Consortium können nicht darüber hinwegtäuschen, daß ausreichende Produktzertifizierungen in den oben aufgeführten Ländern nicht vorhanden sind.

Zudem ist immer wieder von verbrauchertäuschenden Honigverfälschungen mit Sirup die Rede. Für viele Länder wie zum Beispiel Ungarn gilt, wenn dort keine bedeutenden Zertifizierer für artgerechte Bienenhaltung tätig sind, folgendes: „Honigverfälschungen werden im großen Stil gemacht" (iT-Magazin 1/2006, p.14)

Auf der Sitzung der Arbeitsgruppe „Honig" Ende November in Brüssel (Copa/Cogeca AG) wurde berichtet, es zeichne sich in allen Ländern der gleiche Trend ab: Rückgang der Produktion. Aus Italien wird berichtet, daß es auf dem Markt „neuerdings auch kontaminierten Honig gebe mit neuen Antibiotika der Familie der Fluorchinolone" (iT-Magazin 1/2006, p.5-7)

Die gesamte Honigernte eines Imkers aus Bayern ist für den Verkauf gesperrt worden, da erhöhte Rückstände von DEET nachgewiesen wurden. Der Imker hatte bei der Ernte seines Honigs Fabi-Spray aus dem Imkerbedarfshandel eingesetzt. DEET ist ein Abwehrmittel (Repellent) gegen Stechmücken und ist in der Biozide-Produkte-Richtlinie 98/8/EG vom 16.5.88, Anhang 5, als Schädlingsbekämpfungsmittel eingestuft. (Dr. Klaus Wallner in Dbj 2/2006, p.31)

Auf die Frage eines Imkers, ob es negative Erfahrungen oder Bedenken gegen die Anwendung des Fabi-Spray geben würde, antwortet ein Imkerei-Fachberater im Dbj: „Auf Anfrage beim Hersteller, der Firma Müngersdorff, wurde mir mitgeteilt, daß sie Fabi-Spray in großen Mengen ins Inland wie auch ins Ausland liefern. ... Wir selbst verwenden Fabi-Spray, seit es dieses Mittel gibt. Ich selbst habe von Herrn Dr. Buchner die ersten Dosen, damals ohne Namen und Aufdruck, zum Test erhalten und konnte die Herstellung und den Vertrieb nur empfehlen. Für den Wanderimker ist Fabi-Spray nützlich. Es ermöglicht das schnelle Abdrängen der Bienen in das Flugloch, damit dieses geschlossen werden kann." (Dbj 2/2006, p.23)

Nur eine vollständige Zertifizierung in der artgerechten / wesensgemäßen Bienenhaltung kann Sicherheit für den Verbraucher bringen. Mehr...

Dann sind auch höhere Erzeugerpreise angemessen, denn sie dienen in erster Linie dazu, eine artgerechte und wesensgemäße Bienenhaltung finanziell zu unterstützen. Eine Mitgliedschaft zum Beispiel im Honeybee Stewardship Council hilft zwar auch, die eigentliche Förderung einer artgerechten Bienenhaltung findet aber über die Erzeugerpreise statt.

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die Gesamtausgabe der Briefe erscheint in der Fachzeitschrift "Apikultur"


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